Immobilienkauf in Italien: Warum ausländische Käufer Dörfer bevorzugen

Die Daten von Gate-away.com für das erste Halbjahr 2026 zeigen eine internationale Nachfrage, die weit über bekannte Reiseziele hinausgeht.
Nizza Monferrato
Nizza Monferrato TeKappa - Wikimedia Commons

Es gibt ein Italien, das abseits der üblichen Massentourismusrouten liegt: Dörfer in den Apenninen, ruhige Landschaften, weniger bekannte Seen und Küstenabschnitte, an denen man sich nicht in eine Warteschlange einreihen muss, um an den Strand zu gelangen. Dies ist auch das Italien, für das sich immer mehr ausländische Käufer entscheiden, wenn es um den Erwerb einer Immobilie geht.

Daten, die Gate-away.com für das erste Halbjahr 2026 zusammengestellt hat, deuten darauf hin, dass die internationale Nachfrage einen anderen Weg einschlägt als die großen Touristenströme. Sie ist breiter gestreut, neugieriger und fühlt sich stärker vom alltäglichen Italien angezogen.

Übertourismus in Italien: die Zahlen

Nach Angaben des italienischen Tourismusministeriums konzentrieren sich die Zahlen der internationalen Besucher auf nur 4 % des Staatsgebiets: eine Handvoll Kunststädte, einige bekannte Strände und die am häufigsten fotografierten Seen. Sobald sich der Fokus jedoch vom Urlaub hin zum Kauf einer Immobilie verlagert, erweitert sich das Interessensgebiet erheblich.

Wenn die Reise zum Immobilienkauf führt

Eine Zahl sticht unter den von Gate-away.com veröffentlichten Daten besonders hervor: 7,4 % der Immobilienanfragen werden von ausländischen Nutzern gestellt, während diese sich bereits in Italien aufhalten.

Sie sind nicht zu Hause oder sitzen in einem anonymen Büro in London oder New York vor einem Bildschirm, sondern befinden sich bereits auf italienischem Boden, vielleicht bei einem Spaziergang durch ein Dorf, beim Abendessen in einem einem ländlichen Bauernhof oder während sie den Ausblick aus dem Fenster eines Bed & Breakfast genießen.

Menschen reisen in den Urlaub und beginnen, das Land mit anderen Augen zu sehen. Irgendwann reift der Gedanke: ein Zuhause, ein alternatives Lebensprojekt oder ein Zweitwohnsitz, den man monatelang nutzen kann. Die eigene Erfahrung mit einer Gegend wird so zum stärksten Anstoß für eine Kaufentscheidung.

Die am häufigsten gesuchten Regionen und Gemeinden

Auf regionaler Ebene bleibt die Toskana mit 14,33 % der Präferenzen souverän an erster Stelle, gefolgt von Sizilien mit 11,05 %, der Lombardei mit 9,28 %, Apulien mit 8,74 % und Ligurien mit 7,70 %.

Piemont, Kalabrien, Abruzzen, Umbrien und Latium zählen ebenfalls zu den führenden Regionen und bestätigen damit ein Interesse, das sich nicht auf eine kleine Anzahl vorhersehbarer Reiseziele beschränkt.

Die eigentliche Überraschung zeigt sich im Ranking der 20 begehrtesten Gemeinden im ersten Halbjahr 2026. Neben Namen, die internationalen Besuchern bereits bekannt sind, wie Ostuni, Noto, Rom, Tropea, Sanremo, Lucca und Syrakus, finden sich auch Orte, die die meisten Touristen auf der Durchreise wohl noch nie in Betracht gezogen haben:

  • Tortora in Kalabrien
  • Castiglione del Lago in Umbrien
  • Fivizzano in Lunigiana
  • Bagni di Lucca
  • Nizza Monferrato im Piemont
  • Terriciola in Valdera
  • Carovigno und Ceglie Messapica in Apulien
  • Parghelia in Kalabrien
  • San Siro am Comer See
  • Scalea an der tyrrhenischen Küste
  • Caltagirone im Landesinneren Siziliens

Die Liste zeichnet das Bild eines weniger bekannten Italiens, jedoch nicht eines mit geringerer Lebensqualität. Ausländische Käufer fühlen sich von diesen Teilen des LAndes angezogen, weil sie mehr bieten als die typischen Postkartenmotive.

Nicht direkt an der Küste, aber in der Nähe

Die geografische Verteilung der Nachfrage nach Entfernung zur Küste bietet eine weitere aufschlussreiche Perspektive. Rund 54,84 % der Anfragen betreffen Immobilien im Umkreis von zehn Kilometern zur Küste, doch nur 19,06 % suchen nach Immobilien, die weniger als einen Kilometer vom Meer entfernt liegen.

Die Vorliebe besteht also nicht unbedingt darin, mit Sand unter den Füßen aufzuwachen. Vielmehr geht es darum, innerhalb weniger Minuten das Meer erreichen zu können und gleichzeitig die Ruhe eines Dorfes im Landesinneren, die kühlere Luft einer Hügellandschaft, erschwinglichere Preise und einen authentischeren Alltag zu genießen.

Wer schaut sich um und wie viel wird ausgegeben?

Das internationale Interesse an italienischen Immobilien wird von Käufern aus den Vereinigten Staaten angeführt, gefolgt von Briten und Deutschen:

  • Vereinigte Staaten: 21,71 % der Anfragen
  • Vereinigtes Königreich: 14,24 %
  • Deutschland: 9,59 %
  • Frankreich: 5,36 %
  • Niederlande: 4,33 %
  • Schweden: 3,74 %
  • Belgien: 3,10 %
  • Kanada: 2,70 %
  • Schweiz: 2,47 %

Finanziell gesehen liegt das durchschnittliche Budget für die gesuchte Immobilie bei 396.807 Euro, wobei fast 70 % der Nachfrage unter der 250.000-Euro-Marke liegt.

Ausländische Käufer suchen zudem nach bezahlbarem Wohnraum, der in etablierten Wohngegenden oft schwer zu finden ist. In weniger dicht besiedelten Gebieten gibt es tendenziell mehr verfügbare Wohnungen und Preise, die eher die lokalen Gegebenheiten als spekulative Entwicklungen widerspiegeln.

Wohnungen, Villen und freistehende Häuser sind die gefragtesten Immobilientypen, wobei 60,45 % der Käufer nach Immobilien suchen, die bereits renoviert oder bezugsfertig sind.

Nachfrage, die dem Tourismus vorausgeht

Insgesamt deuten die Zahlen darauf hin, dass internationale Käufer mehr als nur einen Zweitwohnsitz suchen: Sie suchen nach einem Weg in eine andere Lebensweise.

„Internationale Käufer zeigen zunehmend Interesse an Italien insgesamt und vor allem an der Möglichkeit, ein authentischeres italienisches Leben zu führen“, erklärt Simone Rossi, Mitbegründer von Gate-away.com.

Laut Rossi beginnt die typische Reise oft mit einem Urlaub in einem der bekannteren Reiseziele und weitet sich dann nach und nach durch spontane Ausflüge, Zufallsentdeckungen und Dörfer abseits der Hauptstraßen aus. In solchen Momenten entsteht oft der Gedanke, eine Immobilie zu kaufen.

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