In den sanften Hügeln der Emilia-Romagna hat WASP mit „Itaca“ Italiens erstes zertifiziertes 3D-gedrucktes Gebäude fertiggestellt. „Itaca“ liegt eingebettet in Shamballa – dem Freiluftlabor für nachhaltiges Wohnen von WASP – und ist ein vollkommen umweltfreundliches Haus, dessen Bau voraussichtlich im Frühjahr 2026 abgeschlossen sein wird. Neben einem markanten Design zeigt das Projekt, wie Technologie und Nachhaltigkeit zusammenwirken können, um die Zukunft des Wohnens zu gestalten.
Nachhaltiges Leben neu definiert
„Itaca“ wurde erstmals von Massimo Moretti, dem Gründer und Präsidenten von WASP, auf der Italian Tech Week in Turin vorgestellt. Das Projekt wurde als autarker Bauernhof und 3D-gedrucktes Wohnmodell konzipiert und basiert auf dem Modell der Kreislaufwirtschaft. Es verfolgt ein ehrgeiziges Ziel: die Etablierung eines weltweit reproduzierbaren Modells für nachhaltiges Bauen, wobei die Schnelligkeit und Zugänglichkeit der 3D-Drucktechnologie genutzt wird, insbesondere das vielseitige Kransystem von WASP, das selbst an abgelegenen Standorten eingesetzt werden kann.
Ein wichtiges Ziel war dabei, sicherzustellen, dass „Itaca“ denselben strengen Standards wie herkömmliche Gebäude entspricht, einschließlich der Erdbebensicherheit gemäß den italienischen und europäischen Vorschriften. Angesichts der strengen Bauvorschriften in Italien, insbesondere in erdbebengefährdeten Regionen, beweist das Erlangen der Zertifizierung unter diesen Bedingungen, dass dieses Modell in weiten Teilen der Welt erfolgreich umgesetzt werden kann.
Das 3D-Baumodell
„Itaca“ wurde von WASP 3D Build errichtet, dem Start-up-Unternehmen von WASP, das sich auf den 3D-Druck im Bauwesen spezialisiert hat, und ist das erste Gebäude, das in Shamballa Gestalt annimmt. Der Bau basiert auf einer innovativen Konfiguration des Kransystems von WASP, bei dem vier Roboterarme an den Ecken eines sechseckigen Rahmens angebracht sind. Dadurch können vier Wände gleichzeitig gedruckt werden, was den Prozess erheblich beschleunigt: Der Rohbau eines Hauses kann in nur wenigen Tagen fertiggestellt werden.
Entwurf und Konstruktion
Das Design von „Itaca“ ist von der Geometrie eines Mandalas inspiriert – einem Quadrat, das in einen Kreis einzeichnet ist. Vier Hauptwände erheben sich aus den Ecken des Quadrats, jede mit einer zentralen Öffnung. Die Wände sind jeweils 3,8 Meter hoch, weisen eine Gesamtfläche von insgesamt 164,9 m² auf und benötigen etwa 24 Stunden Druckzeit.
Die Wände bestehen aus einer zementfreien Kalkmischung, die aufgrund ihrer im Vergleich zu herkömmlichem Beton geringeren CO₂-Bilanz ausgewählt wurde und zugleich die für ein sicheres und langlebiges Gebäude erforderlichen Leistungsstandards erfüllt. Die natürliche Atmungsaktivität von Kalks trägt außerdem zur Regulierung der Innentemperatur bei und beugt Schimmelbildung vor.
Nachhaltigkeit im Fokus
Verstärkungssäulen werden in die beim Drucken entstandenen Hohlräume eingesetzt, um die strukturelle Integrität zu gewährleisten, die Erdbebennormen zu erfüllen und das Dach zu stützen. Die Wände selbst sind 60 bis 70 cm dick, und die Hohlräume werden mit Reisschalen aus Agrar- und Lebensmittelabfällen sowie natürlichem Kalkpulver gefüllt. Durch dieses Verfahren wird die Dämmung direkt in die Wände integriert, wodurch ein Passivhaus entsteht, das sowohl energieeffizient als auch umweltfreundlich ist.
Die Wände sorgen für eine gute Belüftung, regulieren die Innentemperatur, senken den Energieverbrauch und reduzieren die Emissionen durch Heizung und Kühlung. Heizelemente, elektrische Systeme und Dämmung werden bereits während des Druckvorgangs integriert, sodass kein Nachrüsten erforderlich ist. Die integrierte Belüftung ermöglicht außerdem eine natürliche Luftzirkulation, sodass das Gebäude „atmen“ kann, die Raumluft gereinigt wird und eine hohe Luftqualität gewährleistet wird.
Durch die Kombination sorgfältig ausgewählter Baumaterialien mit natürlichen, aus Abfällen gewonnenen Dämmstoffen erreichen die Wände eine negative CO₂-Bilanz. Sofern die Vorschriften dies zulassen, kann dasselbe Architekturmodell sogar aus Lehm errichtet werden, wodurch die Umweltbelastung weiter reduziert wird.
Mehr als ein Gebäude
„Itaca“ ist mehr als nur ein Haus – es ist Teil einer umfassenderen Vision von nachhaltiger Landnutzung und Kreislaufwirtschaft. Auf dem umliegenden Gelände wurden zwei Sammelbecken für Regenwasser angelegt, um Wasser aufzufangen und zu speichern, Bodenerosion zu verhindern und Pflanzen zu bewässern. Dadurch wird ein Gebiet, das zuvor anfällig für schnellen Wasserabfluss und Sommerdürre war, in ein biodiverses Ökosystem verwandelt.
Über 500 Bäume und 50.000 Kräuter und Heilpflanzen werden gepflanzt, und ein derzeit in Entwicklung befindlicher, KI-gestützter automatisierter Garten wird den Anbau das ganze Jahr über optimieren. Vertikale, im 3D-Druck hergestellte hydroponische Systeme werden das ganze Jahr über frisches Gemüse bei minimalem Wasserverbrauch liefern.
Ein begrüntes Dach mit Sonnenkollektoren sorgen bei „Itaca“ für Isolierung, senken die Energiekosten und fördern die städtische Artenvielfalt. Auf der Farm wird ein Labor Wirkstoffe aus Pflanzen extrahieren und biologische Forschung betreiben, wobei fortschrittliche Technologien zum Einsatz kommen, um das Potenzial der in Shamballa angebauten Ressourcen optimal auszuschöpfen.