Zweigeschossige Gebäude mit einer Wohneinheit sind in allen Klimazonen Italiens die häufigste Immobilienart. Der Wohnungsbestand unterscheidet sich jedoch je nach Region erheblich Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der ENEA, die in der Fachzeitschrift „Energy and Buildings“ veröffentlicht wurde. Darin wird das Konzept der Referenzgebäude eingeführt, wonach repräsentative Modelle des italienischen Immobilienbestands für Energiesimulationen und die Planung von Energieeffizienzmaßnahmen herangezogen werden können.
Eine Analyse von 12 Millionen Wohngebäuden
Im Rahmen der Studie wurden rund 12 Millionen Wohngebäude untersucht, was 85 % des gesamten Wohnungsbestands Italiens entspricht, sowie mehr als 31 Millionen Wohnungen. Ziel war es, die häufigsten Gebäudekonfigurationen in den sechs Klimazonen Italiens – gekennzeichnet mit den Buchstaben A bis F – zu ermitteln, indem die Gebäudegeometrie, der Bauzeitraum, die Heizungssysteme und die thermische Leistung der Gebäudehülle miteinander in Zusammenhang gebracht wurden.
Die neue Methodik zeichnet sich dadurch aus, dass sie nicht nur einzelne Datenpunkte liefert, sondern diese auf strukturierte Weise miteinander verknüpft. Diese Integration erzeugt ein einheitliches Bild der gängigsten Gebäudetypen und ermöglicht es, diese als Bezugspunkte für Energieanalysen auf verschiedenen territorialen Ebenen heranzuziehen.
Die Referenzgebäude können insbesondere für Energiesimulationen genutzt werden, um die Auswirkungen von Änderungen an wichtigen Gebäudeparametern zu bewerten und Sanierungsszenarien auf verschiedenen lokalen und regionalen Ebenen zu analysieren.
Unterschiedliche Bauweisen in Nord- und Süditalien: Warum Klimazonen eine Rolle spielen
Die Analyse zeigt, dass zweigeschossige Gebäude mit einer einzigen Wohneinheit in allen italienischen Klimazonen die häufigste Bauform darstellen. Die Merkmale des Wohnungsbestands unterscheiden sich jedoch deutlich von Region zu Region.
- In den wärmeren Klimazonen A bis C ist der zweithäufigste Gebäudetyp ein eingeschossiges Gebäude mit einer Wohneinheit.
- In den kälteren Zonen, D bis F, sind mehrstöckige Gebäude mit einer größeren Anzahl von Wohnungen häufiger anzutreffen. Eine mögliche Erklärung hierfür ist die höhere Bevölkerungsdichte in einigen kälteren Gebieten.
Diese geografischen Unterschiede spielen beim Festlegen von Richtlinien zur Energieeffizienz von Gebäuden eine Rolle.
Laut ENEA erschweren die unterschiedlichen Merkmale des Wohnungsbestands die Umsetzung einer einheitlichen nationalen Energiestrategie. Stattdessen sind Maßnahmen erforderlich, die auf die besonderen Gegebenheiten der einzelnen Regionen zugeschnitten sind.
Das Alter des italienischen Wohnungsbestands stellt eine weitere Herausforderung dar. Rund 65 % der italienischen Immobilien wurden vor Inkrafttreten der ersten Energievorschriften errichtet, was auf einen potenziell hohen Energieverbrauch hindeutet.
Heizung: Wärmepumpen spielen eine zunehmende Rolle
In der Studie werden zudem die sich wandelnden Heizanlagen in italienischen Haushalten untersucht. Die Daten deuten auf eine allmähliche Abkehr von herkömmlichen Heizkesseln und Brennwertkesseln hin zugunsten von Technologien, die als effizienter gelten, darunter Wärmepumpen.
Gebäude, die vor 1980 errichtet wurden, sind überwiegend mit herkömmlichen Heizsystemen ausgestattet.
Bei neueren Wohngebäuden, insbesondere solchen, die nach 2005 gebaut wurden, kommen zunehmend effizientere Technologien zum Einsatz.
Wärmepumpen sind insbesondere in den Klimazonen A und B weit verbreitet, wo die Wetterbedingungen einen breiteren Einsatz dieser Technologie begünstigen. Auch Fernwärme findet in neueren Gebäuden zunehmend Verbreitung, insbesondere in der Klimazone F.
Unterstützung der europäischen Energiepolitik
Die Forschungsarbeit der ENEA ist Teil des umfassenderen Wandels in der europäischen Politik in den Bereichen Energie, Klima und Gebäudeeffizienz. Da der Wohn- und Dienstleistungssektor einen erheblichen Anteil am Energieverbrauch und den energiebedingten Emissionen ausmacht, misst die Europäische Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (EPBD 2024/1275) zuverlässigen und vergleichbaren Daten über den nationalen Gebäudebestand zunehmend große Bedeutung bei.
Auf europäischer Ebene hat sich die EU-Beobachtungsstelle für den Gebäudebestand zum Ziel gesetzt, Informationen über Gebäude und deren Energieeffizienz zu erheben und bereitzustellen. Die Wirksamkeit dieser Instrumente hängt jedoch von der Qualität, Vollständigkeit und Konsistenz der von den einzelnen Ländern gelieferten Daten ab.
Italiens Herausforderung: viele Daten, aber fragmentiert
Italien verfügt über umfangreiche Informationen zum Wohnungsbestand im Land, diese sind jedoch auf zahlreiche Quellen verteilt: Volkszählungen, Verwaltungsarchive, Energieregister, technische Studien und Projekte. Diese Datenbanken wurden oft für unterschiedliche Zwecke entwickelt und verwenden nicht immer dieselben Kriterien, denselben geografischen Detaillierungsgrad oder dieselben Klassifizierungsmethoden.
Mit der neuen Methodik will die ENEA dieser Fragmentierung entgegenwirken, indem die verschiedenen Datensätze miteinander verknüpft und daraus repräsentative Gebäudekonfigurationen ableitet werden.
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