Der Tourismus in Italien verzeichnet bis zum Ende des Jahres 2025 ein anhaltendes Wachstum. Neue Daten bestätigen seine entscheidende Rolle für die Wirtschaft des Landes und eine deutliche Veränderung der Präferenzen der Reisenden. Laut dem aktuellen Bericht „Italia Destinazione Digitale 2025” von The Data Appeal Company hat die Zufriedenheit der Besucher ein Rekordniveau erreicht – und die Zukunft des italienischen Tourismus könnte in den Händen kleiner Dörfer und weniger bekannter Reiseziele liegen.
- Tourismus treibt Wirtschaftswachstum in Italien an
- Erlebnisqualität bleibt Italiens größte Stärke
- „Slow Tourism“ und lokale Identität prägen Reisetrends neu
- Territoriales Marketing wird für die Wettbewerbsfähigkeit unerlässlich
- Kleine Dörfer brauchen Sichtbarkeit
- Reise-Influencer werden zu neuen Botschaftern
- Ein inklusiveres Tourismusmodell
- Italiens Tourismuszukunft liegt jenseits der großen Städte
Tourismus treibt Wirtschaftswachstum in Italien an
Zwischen Januar und Juli 2025 verzeichnete Italien 268,4 Millionen Übernachtungen, was einem Anstieg von 5,7 % gegenüber dem gleichen Zeitraum im Jahr 2024 entspricht. Die nationale Tourismusagentur ENIT schätzt:
- Die Ausgaben der Besucher könnten bis Ende des Jahres 185 Milliarden Euro erreichen.
- Die Beschäftigung im Tourismussektor könnte auf 3,2 Millionen Mitarbeiter steigen.
- Der Tourismus könnte 237,4 Milliarden Euro zum italienischen BIP beitragen.
Die langfristigen Prognosen sind sogar noch positiver und gehen von bis zu 3,7 Millionen Beschäftigten und einem Wert von 282,6 Milliarden Euro innerhalb des nächsten Jahrzehnts aus.
Erlebnisqualität bleibt Italiens größte Stärke
Der Bericht hebt außerdem eine hohe Zufriedenheitsrate von 82,3 von 100 Punkten hervor, was auf eine starke Wertschätzung der Besucher für das kulturelle Erbe, die Gastronomie, die Landschaften und die Gastfreundschaft Italiens hinweist.
Es wird jedoch auch ein wichtiger Trend offenbart: Reisende suchen zunehmend nach authentischen, „echten“ Erlebnissen, die oft an folgenden Orten zu finden sind:
- Ländliche Gebiete
- Regionen im Inland
- Historische Dörfer
- Kleinere, von den Gemeinden geführte Reiseziele
Dieser Wandel spiegelt den weltweiten Anstieg des „Slow Tourism“ (langsamer Tourismus) wider – einer Reiseform, bei der lokale Kultur, eine sinnvolle Interaktion und ein ruhiges Tempo im Vordergrund stehen.
„Slow Tourism“ und lokale Identität prägen Reisetrends neu
„Der Tourismus befindet sich in einem rasanten Wandel“, sagt die Expertin für Tourismusmarketing Federica Argentieri. Sie ist überzeugt, dass Italien gut positioniert ist, um diese Entwicklung anzuführen, indem sich das Land auf Erlebnisse konzentriert, welche die Identität, die Geschichten und die Traditionen jeder Region hervorheben.
Öffentliche Initiativen unterstützen diesen Trend bereits. Ein Beispiel ist das Projekt des Kulturministeriums zur Schaffung einer nationalen Community, die sich auf lokalen und regionalen Tourismus konzentriert und mithilfe persönlicher Geschichten und digitaler Inhalte weniger bekannte Reiseziele bewirbt.
Territoriales Marketing wird für die Wettbewerbsfähigkeit unerlässlich
Die wachsende Nachfrage nach individuellen, erlebnisorientierten Reisen wandelt das Tourismusmarketing in ein strategisches Entwicklungsinstrument um.
Zu den jüngsten Investitionen gehören:
- 114 Millionen Euro wurden über das NRRP für das Digitale Tourismuszentrum bereitgestellt
- Finanzierung aus dem Tourismus-Revolvingfonds für Innovation und Nachhaltigkeit
- Regionale Bemühungen zur Stärkung der digitalen Vermarktung und des „Destination Storytelling“
Für die Regionen Italiens ist eine effektive Kommunikation zunehmend mit der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit verknüpft.
Kleine Dörfer brauchen Sichtbarkeit
„Viele Dörfer scheitern, weil ihnen eine Geschichte fehlt, und nicht weil sie unattraktiv sind“, bemerkt Argentieri. Lokale Communitys dabei zu unterstützen, ihre Geschichten zu erzählen, gilt heute als unerlässlich, um touristisches Potenzial zu erschließen.
Nutzergenerierte Inhalte und Reiseanbieter spielen bei diesem Wandel eine wichtige Rolle.
Reise-Influencer werden zu neuen Botschaftern
Italien kann eine wachsende Zahl einflussreicher und kreativer Influencer vorweisen, darunter:
- Take My Heart Everywhere
- ItalianPlaces
- BorghItalia
Viele von ihnen zählen über eine Million Follower und haben sich darauf spezialisiert, die verborgenen Ecken Italiens, kleine Städte und abgelegene Routen zu präsentieren – und bieten damit eine wertvolle Aufmerksamkeit für den nachhaltigen Tourismus und die lokalen Traditionen.
Ein inklusiveres Tourismusmodell
Barrierefreiheit ist ein weiterer wichtiger Pfeiler der Transformation des italienischen Tourismus. „Echte Innovation bedeutet, Tourismus für alle zugänglich zu machen“, betont Argentieri und verweist dabei auf die anhaltenden Herausforderungen für Besucher mit Seh-, Hör- oder Mobilitätseinschränkungen.
Als Reaktion darauf hat das Tourismusministerium das Programm „Kleine Gemeinden mit touristischem Schwerpunkt“ ins Leben gerufen und investiert 34 Millionen Euro in Dörfer mit weniger als 5.000 Einwohnern. Ziel ist es, folgende Bereiche zu verbessern:
- Barrierefreiheit
- Nachhaltige Mobilität
- Stadterneuerung
Italiens Tourismuszukunft liegt jenseits der großen Städte
Die Daten bestätigen, dass Italien nach wie vor zu den beliebtesten Reisezielen Europas zählt, was sich sowohl im Wirtschaftswachstum als auch in der steigenden Zufriedenheit der Besucher widerspiegelt. Die wahren Chancen für die kommenden Jahre liegen jedoch nicht nur in den bekannten Städten wie Rom, Venedig oder Florenz, sondern auch in den Tausenden von Dörfern, Landschaften und Gemeinden, welche die Identität des Landes verkörpern.