Überschwemmungen: Wer kommt für Schäden an Gebäuden und die Wiederaufbaukosten auf?

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15 November 2018, Redaktion

Die Überflutungen der letzten Wochen in Italien haben die Debatte um die Prävention solcher Katastrophen und die Wiederaufbaukosten erneut aufflammen lassen. Wer bezahlt für die bei der Katastrophe entstandenen Schäden? Welchen Schutz bieten die Versicherungen? Welche staatlichen Gelder stehen zur Verfügung? Wir versuchen, diese Fragen mit Hilfe einiger Experten zu beantworten.

Über 90% Italiens in Überflutungsgefahr

Die Überschwemmungen in Sizilien geben Anlass zur Reflektion über die Gegebenheiten des italienischen Territoriums sowie über den Zustand der Gebäude und der Infrastruktur. Über 90% des italienischen Staatsgebietes weist ein erhöhtes Überflutungsrisiko auf; mehr als 3 Millionen italienische Familien sind betroffen.

„Der Klimawandel, der sich durch zunehmend extreme Niederschläge bemerkbar macht, wird unvermeidlich zu solchen Katastrophen führen, wie wir sie in den letzten Tagen auf Sizilien gesehen haben,“ kommentiert der Geologe Fabio Tortorici, Vorsitzender des Studienzentrums des italienischen Geologenrates (Centri Studi Consiglio Nazionale dei Geologi). „Der schlechte Zustand des italienischen Territoriums führt zu vermehrten Überlegungen und Maßnahmen, um gegen das Phänomen der Überschwemmungen anzugehen. Italien ist das europäische Land, in dem die meisten Erdrutsche verzeichnet werden. In Italien leben 15 Prozent der Bevölkerung in Gebieten mit einer hohen Wahrscheinlichkeit von Überschwemmungen und Erdrutschen.“

Erdrutsche und Überschwemmungen – zu wenig Regulierung

Das grundlegende Problem besteht in der Leichtigkeit, mit der Häuser in gefährdeten Gebieten gebaut werden. Diese Leichtigkeit wird häufig von den örtlichen Verwaltungen geschaffen, die nicht die angemessenen Maßnahmen zur Bewältigung dieser Situation ergreifen und versuchen, nicht bei jedem Regenschauer den Notstand ausrufen zu müssen.

„Das Casteldaccia-Gebäude, in dem neun Menschen ums Leben kamen,“ erinnert sich Tortorici, „befindet sich in einem Gebiet, das bekanntermaßen ein hohes Überschwemmungsrisiko aufweist. Leider herrscht noch mangelndes Bewusstsein für geologische Phänomene. Viele möchten immer noch nicht einsehen, dass zur Verringerung der natürlichen Risiken technische und wissenschaftliche Fähigkeiten erforderlich sind, um vermeidbare Katastrophen zu verhindern. So werden die Katastrophen häufiger auftreten: Erdbeben, Erdrutsche, Dürren, Überschwemmungen.“

Ungenutzte Gelder von ItaliaSicura

Bleibt die Frage, die auf jede Katastrophe folgt: Wer bezahlt für den entstandenen Schaden? Auf staatlicher Ebene sind die Mittel zur Vorbeugung von seismischen und hydrogeologischen Risiken auf 300 Millionen Euro pro Jahr begrenzt, obwohl das Programm ItaliaSicuria, das letzten Monat beschlossen wurde, bereits über eine Milliarde Euro von der Europäischen Investitionsbank verfügt, um bei Erdrutschen und Erosionen zu intervenieren. Der italienische Umweltminister teilte jedoch mit, dass er für diesen Notfall nicht auf diese Mittel zurückgreifen wollte.

Hausratversicherung: Deckung bei Umweltkatastrophen

Es muss auch an die von diesen Katastrophen betroffenen Familien gedacht werden, deren Häuser komplett zerstört wurden und die nun einen kompletten Neuanfang bewältigen müssen. Wer kommt für all diese Schäden auf? Um sich vor diesen Risiken zu schützen, bieten einige Hausratversicherungen Schutz gegen Erdbebenrisiken.

„In den letzten zwölf Monaten, sicherlich auch aufgrund der dramatischen Ereignisse in Italien, ist das Interesse der Italiener an einem Versicherungsschutz, der vor Schäden durch Naturkatastrophen schützt, erheblich gestiegen,“ berichtet Lodovico Agnoli, Geschäftsführer des Vergleichsportals Facile.it. „Es ist wichtig zu bedenken, dass dieser Versicherungsschutz normalerweise in sehr umfangreichen Policen beinhaltet ist, die den ganzen Hausrat, Strukturelemente, darin befindliche Vermögenswerte und sogar Bewohner oder Mieter abdecken.“

Es gibt zwei Arten von Deckung, die sowohl von den Eigentümern als auch von den Mietern festgelegt werden können: die erste deckt lediglich den Hausrat ab (dessen Wert durch den Wert der im Gebäude gelagerten Objekte bestimmt wird); die zweite ist mit strukturellen Schäden verbunden (deren Kosten von der Art der Immobilie, ihrem Standort und davon abhängen, ob es sich um den gewöhnlichen Wohnsitz handelt oder nicht).

Wenn die Hausratversicherung die Umweltschäden nicht abdeckt

„Um Enttäuschungen zu vermeiden,“ warnt Agnoli, „sollte bei der Wahl der Versicherung nicht nur auf den Preis geachtet werden, sondern auf die in der Police aufgeführte Schadensdeckung. Sämtliche Klauseln sollten sorgfältig studiert werden.“

Tatsächlich decken nicht alle Hausratversicherungen Erdbeben oder Überschwemmungen ab. In diesem Fall müssen die Ausschlussklauseln beachtet werden: Gebäude, die in der Vergangenheit beschädigt wurden oder zu nahe an Kirchtürmen stehen, werden meistens nicht abgedeckt.

Darüber hinaus wird der Schaden wie bei jeder Versicherung nicht ersetzt, wenn er als vorsätzlich oder fahrlässig anerkannt wird. Dies wäre ein wichtiges Thema in Bezug auf die Haftung bei illegal errichteten oder abbruchreifen Gebäuden. Dies ist keineswegs selten, wenn man bedenkt, dass in Italien laut Legambiente 71.450 Immobilien von Abrissverfügungen betroffen sind, aber über 80% von ihnen noch stehen.

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