Unbewohnte Altstädte in Südeuropa: Sind die Kurzzeitmieten schuld?

Leer stehende Altstädte / Gtres
Leer stehende Altstädte / Gtres
28 Oktober 2019, Redaktion

Dämpfen kurzfristige Mietverträge den Markt für Langzeitmieten? Das Problem, das mit dem jüngsten Aufkommen von Kurzurlaubsplattformen entstanden ist, gibt es nicht nur in Italien, sondern ist in ganz Südeuropa verbreitet.

Mietpreise steigen aufgrund der Kurzzeitmieten

Kurzzeitmieten sind auf einen Zeitraum von weniger als einem Jahr begrenzt und richten sich meist an Urlauber oder Studenten. Durch das Aufkommen dieses Phänomens wird ein allgemeiner Anstieg der Mietpreise beobachtet, da Kurzzeitmieten im Vergleich zu Langzeitmieten für Vermieter lukrativer sind. Dies wirkt sich auf das verfügbare Wohnungsangebot aus und stört das soziale und kulturelle Gefüge der Städte.

Immobilienbesitzer wiederum sehen in den Kurzzeitmieten ein lukratives Geschäft, um damit ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, wobei sie gleichzeitig auf die Nachfrage von Touristen reagieren. Laut Airbnb, so die Financial Times, wurden mit den Kurzzeitmieten im letzten Jahr weltweit 100 Millionen Dollar erwirtschaftet.

Hier einige der Städte, die nach Angaben der britischen Zeitung von diesem Phänomen betroffen sind:

Kurzzeitmieten in Lissabon und das portugiesische Mietrecht

In der portugiesischen Hauptstadt sind Plattformen für die Kurzzeitvermietung im Aufwind und unterliegen bisher keiner staatlichen Kontrolle. Nach der Wirtschaftskrise sanken die durchschnittlichen Quadratmeterpreise von Immobilien in Portugal um mehr als 20% (zwischen 2008 und 2013), während die Arbeitslosigkeit allein im Jahr 2013 um 17,5% stieg.

Gleichzeitig wuchs der Tourismus in Lissabon im zweistelligen Bereich, was gerade während der Krise sehr interessant für Privatleute war, die auf der Suche nach einem alternativen Einkommen waren.

Darüber hinaus erlaubt die Reform des portugiesischen Mietgesetzes den Vermietern seit 2012, langfristige Mietverträge nach eigenem Ermessen zu kündigen, um sie durch Kurzzeitmieten zu ersetzen. Dies hat innerhalb von fünf Jahren zu einem Rückgang der Verfügbarkeit von langfristigem Wohnraum geführt, was die Bewohner zwingt, nach Wohnungen in den Vororten zu suchen, um Platz für Touristen im Zentrum zu schaffen. Als Folge sind die Mietpreise im Stadtzentrum allein im letzten Jahren nach Angaben des Beratungsunternehmens Cushman&Wakefield um 12% gestiegen. Heutzutage liegen die Quadratmeterpreise für Mietwohnungen im Stadtzentrum von Lissabon bei bis zu 7.700 Euro.

Kurzzeitmieten in Barcelona – Proteste

In der Hauptstadt von Katalonien laufen bereits Proteste gegen den durch die Kurzzeitmieten ausgelösten Preisanstieg (und auch gegen die Unhöflichkeit der Gäste), auch aus Angst vor einer Veränderung des menschlichen und kulturellen Gefüges der Stadt.

Kurzzeitmieten in Florenz: Flucht in die Vororte

In Florenz wird inzwischen jede fünfte Wohnung für Kurzzeitmieten genutzt: Nach Untersuchungen der Universität Siena entspricht dies einem Anstieg von 60% seit 2015. Florenz weist die höchste Konzentration an Kurzzeitvermietungen in Italien auf: In Rom und Venedig liegt der Anteil bei 12%.

Die positive Seite ist der Kaufanreiz für Investoren, die in den florentinischen Tourismusvermietungen eine gute Gewinnaussicht für das ganze Jahr sehen. Dies jedoch verursacht den Exodus der Florentiner in die Vororte: Jährlich verlassen etwa tausend Einwohner das Stadtzentrum, die von ihren Vermietern vertrieben werden und nach günstigeren Mietwohnungen suchen.

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